Moskau, die Prachtvolle

March 18, 2019

Als erste Station unserer Reise erreichten wir die 12 Millionen Metropole Moskau. Die Temperaturen waren für den Monat März normal kühl (am Tag plus 3C°, am Abend minus 6C°). Ab und zu regnete es, mal fiel etwas Schnee. Auf das Wetter waren wir vorbereitet:

 

 

Die bis zu fünf Spuren pro Fahrtrichtung umfassenden Strassenschluchten der Hauptstadt sind gesäumt von Geschäften aller gängigen international bekannten Luxusmarken. Zu jeder Uhrzeit sind uns auf den breiten Boulevards top gestylte Frauen begegnet. Unsere funktionelle Outdoorbekleidung wurde da schon mal schräg beäugt.

 

 

Sich herauszuputzen gehört in dieser Grossstadt wohl einfach dazu. Sogar in unserem Achterschlag im Hostel 77 hängte ein Gala-Glitzerkleid auf einem Bügel und 10 Zentimeter Highheels waren sorgsam im Schuhregal neben versifften Stoffpantoffeln versorgt. Ein herrliches Bild.

 

 

Herrlich empfanden wir auch die Moskauer Metro, die im Jahr rund 2,3 Milliarden Menschen im drei Minutentakt unter der Stadt hin und her befördert und dabei nicht stinkt (nicht wie zum Beispiel die Pariser Metro). Die meisten Metrostationen erreicht man über lange und steile Rolltreppen die einem bis zu 83 Meter unter die Erde bringen. Später fanden wir heraus, dass Moskau die längste Rolltreppe und tiefstgelegene Metro der Welt besitzt.

 

 

Die Perrons, Auf- und Abgänge faszinierten uns durch ihren sovjetischen Prunk, welcher durch den grosszügigen Baustil erst recht zur Geltung kam. Die Notwendigkeit der weitläufigen Anlagen erschloss sich uns erst, als wir einmal mitten in der Rushhour froh um jeden Zentimeter Platz waren und mehrmals beobachteten, dass man in den grossen Hallen zwischen den Perrons auf Personen wartete, was absolut Sinn macht, wenn die Temperatur draussen Minusgrade erreicht.

 

 

In anderen Reiseblogs (oder waren es Reiseführer?!?) haben wir gelesen, dass die Russen grundsätzlich grimmig dreinschauen, weil sie das Lächeln für besondere Tage aufsparen. Wir haben dies genau so erlebt. Vom Taxifahrer, zum Bäcker oder der Geschäftsfrau, alle schauten drein, als wäre das Essen versalzt oder jemand gerade gestorben.

 

Am Freitag, 8. März 2019 war Weltfrauentag - Muttertag und Valentinstag in einem. Dieser Feiertag ist für die Russen so sehr von Bedeutung, dass er nach dem Silvester den zweiten Platz in der Rangliste der wichtigsten Feiertage der Nation einnimmt. Wir beobachteten dabei, dass Frauen und Männer bereits in den Tagen davor Unmengen von Blumen kauften und diese in mehreren Lagen dickes Papier eingeschlagen durch die Kälte davontrugen. Am Tag X durften wir dann miterleben, wie ein junger Herr seine junge Freundin auf der Arbeit im Restaurant besucht und ihr freudig Tulpen überreicht. Beide strahlten über das ganze Gesicht. Wir hatten erkannt, der Weltfrauentag ist ein ebensolcher besonderer Tag, an welchem es sich die Russen erlauben zu lächeln.

 

 

Überall dort, wo wir in einem Dienstleistungsverhältnis mit den Moskauerinnen und Moskauer standen (im Restaurant, im Hostel usw.) wurden wir äusserst zuvorkommend bedient. Sich auf Englisch zu unterhalten war meistens möglich. Die westlichen Einflüsse konnte man aber sehr gut erkennen. Bei Google zählten wir alleine in Moskau 101 Läden der US-amerikanischen Fastfood Kette „Kentucky Fried Chicken“.

 

 

Russisches Essen wie Borschtsch oder Pelmeni fand man eher selten auf der Speisekarte. Zu den bevorzugten Essgewohnheiten befragte Einheimische gaben an, internationale Küche im Restaurant zu bevorzugen. Dies hat bestimmt damit zu tun, dass die traditionelle Küche nach eigenem Rezept selbst zubereitet am besten schmeckt. In einem kleinen Lokal konnten wir dann doch noch Boeuff Stroganoff essen und es war köstlich. Zusätzlich sind die Preise für das Essen für unsere Verhältnisse super günstig.

 

Zugegeben, wir wussten bei Anreise lediglich, dass Moskau weltbekannte Sehenswürdigkeiten (Roter Platz etc.) beherbergte. Heute können wir uns einfach nicht erklären, warum uns Moskau nicht schon viel früher mal aufgefallen war. Denn Moskau ist pompös, prunkvoll und westlich. Vielleicht zieht es uns eines Tages wieder in die Stadt. Vielleicht im Frühsommer, damit wir wie die Scorpions „follow the Moskwa down to Gorky Park“ machen können.

 

 

 

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