Nach dem Unfall und auf Wiedersehen, Mongolei!

July 17, 2019

Wunderbar luxuriöse Jurten erwarteten uns in Gachuurt. Vor allem weil das Wasser aus den Wasserhähnen in den Gemeinschaftsbädern heiss war und das Bett breit, bequem und mit einer warmen Decke ausgestattet. Acht Jurten im selben Stil befinden sich im Camp „River Point“, welches zu der Mongolian Outdoor Travel Gruppe gehört, wo auch Drive Mongolia Teil davon ist. Das Camp liegt in der Stadt Gachuurt in der Nähe vom schönen Fluss Tuul. In einem Hang gebaut, befindet sich oben die Zentrale des Camps mit Restaurant, Bar und Gemeinschaftsbädern und unten acht luxuriöse Jurten.

 

 

Der Manager des River Points, René, ein Österreicher, hatte das Camp perfekt für westliche Touristen vorbereitet und hiess uns herzlich willkommen. Er kochte uns noch um 2 Uhr morgens wunderbare Pasta und war dabei super freundlich und aufgestellt. Die Anlage des Camps war geschmackvoll eingerichtet, die Gemeinschaftsbäder in westlichem Standard ausgebaut und sehr sauber und auf dem Restaurantmenu befanden sich auch europäische Speisen, die allesamt sehr gut schmeckten. Zudem eignet es sich perfekt, wenn man geführte Touren in den Nationalpark oder zu einem anderen Ziel bucht. Die Preise im Camp sind aber eben auch westlich. Es ist quasi Pauschalurlaub in der Mongolei. Und somit komplett gegensätzlich zu dem, was uns eigentlich in die Mongolei trieb.

 

 

Wir verbrachten drei Nächte Camp. Weil die Jurten grosszügig gebaut waren (wahrscheinlich eher für den Sommer gedacht), muss man mitten in der Nacht nachheizen und verbrennt dadurch viel Material. Wir können einen Aufenthalt in den kalten Monaten daher nicht empfehlen.

 

Die Zeit die wir dort hatten war dennoch gut. Wir waren vom Unfall müde und konnten uns entspannen. Es war für alles gesorgt und viele andere Touristen trafen wir dort nicht an. Einzig Khaliuna von Drive Mogolia war zufälligerweise an einem Abend gleichzeitig wie wir dort. Sie feierte mit ihren Freunden in einer Jurte. Eine Auszeit die sich viele Städter nehmen, wie uns Khaliuna erklärte, um sich vom Stress der Hauptstadt zu erholen.

 

 

Am 8. April 2019 ging es am Morgen früh Retour nach Ulan-Bator. Baagii sendete uns einen Fahrer (gratis; echt zuvorkommender Service von Drive Mongolia), der im morgendlichen Stau von Ulan-Bator gemütlich sein Reis-Frühstück futterte. Richtig so!, dachten wir. In Ulan-Bator brachte er uns bis zu unserer Unterkunft, das Vision Tours Hostel.

 

Tag 37, 9. April 2019 – Ulan-Bator, du andere Welt

 

In Ulan-Bator wollte die Zeit nicht vergehen. Wir hatten eigentlich ein Meeting um 10 Uhr mit Drive Mongolia vereinbart. Leider platzte es kurz davor, weil die Versicherung noch keinen Entscheid getroffen hatte. Wir nutzten die freie Zeit und gingen Wäsche waschen.

 

 

Am Nachmittag erkundeten wir die Stadt, die nicht mehr im Gegensatz zum Rest des Landes stehen könnte. In der Mongolei haben sich die Zeiten geändert. Zwei Drittel der Bevölkerung lebt nicht mehr „nomadisch“ in den Weiten des Landes sondern in der postnomadischen Urbanität von Ulan-Bator. Man mietet sich Wohnungen in den modernen Hochhäusern der Stadt und diejenigen, die sich die Wohnungen noch nicht leisten können, leben dicht an dicht gedrängt in Jurten am Stadtrand. Die Stadt war einst geplant für 600'000 Menschen, heute leben weit über 1,4 Millionen dort. Über der Stadt hängt während unseres Aufenthaltes öfters eine dicke Smog-Decke, denn in den Jurten am Stadtrand wird noch wie draussen auf dem Land geheizt und gekocht – mit Kohle oder Kuhdung.

 

Es ist einer dieser Plätze auf der Welt, wo man den Wandel hin zum Kapitalismus und somit zum Konsum deutlich wahrnehmen kann. Es sind zwei Welten, die hier unglaublich deutlich auseinanderklaffen. Wir können uns diese Unterschiede nur so erklären, dass in einer korrupten und von Problemen durchzogenen Politik viele rurale Regionen vernachlässigt wurden (man bedenke die vielen Berichte über politische Korruption in den letzten Jahren). Anstelle einer Politik, welche die gesamte Mongolei in ein gesundes Wachstum führt, wurde wohl durch Beibehaltung alter Familienstrukturen und Korruption eine einseitige Entwicklung gefördert. Seine Bevölkerung ist zunehmend unzufrieden diesbezüglich.

 

Der Drang zum Wandel – ob nun positiv oder negativ – kommt von innen, aber auch vom Ausland, d.h. auch wir sind also ein Teil davon. Auf uns wirkte es, als hätten sie sich irgendwo in der Entwicklung verirrt und keiner weiss recht, wie es nun weitergehen soll. Die „Maidar Eco City“, ein städtebauliches Projekt aus dem Jahr 2014, soll die Probleme in Ulan-Bator bis 2030 lösen. Falls jemand diese Stadt besuchen sollte, würden wir uns über einen Austausch sehr freuen.

 

Jedenfalls wirkt es auf uns so, als wäre der fiktive und romantisierte „nomadic lifestyle“ ein Markenzeichen geworden, welches von den Mongolen in der Politik (v.a. gegen China) und im Tourismus als Abgrenzung und Einzigartigkeit eingesetzt wird. Wir wünschen uns für die Mongolei, dass Wege gefunden werden, wie die traditionelle "nomadische" Bescheidenheit und Verbundenheit mit der Natur mit der westlichen Konsumgesellschaft in Einklang gebracht werden können. Eine immens schwierige Aufgabe.

 

Tag 38, 10. April 2019 – Jurassic Park der Mongolei & Finales Meeting mit Drive Mongolia

 

Einen Blick zurück in die Vergangenheit der Mongolei erhaschten wir im Dinosauriermuseum. Denn in der Wüste Gobi wurden viele Dino-Funde gemacht, die auf 100 Millionen Jahre zurückdatiert wurden. Im Museum durfte man nicht fotografieren. Wir sahen einige gut erhaltene Skelette, die sehr imposant waren. Da sich die Mongolei lange Zeit Ausgrabungen auf eigene Rechnung nicht hat leisten können, wurden Kooperationen mit anderen Ländern eingegangen. Im Zuge dieser Ausgrabungen gelangten viele Skelette ins Ausland und somit in private Hände; vor allem in die USA und nach China.

 

Am Nachmittag war es endlich so weit, wir konnten Drive Monogolia wegen des Unfalls treffen. Man erwartete uns sehr freundlich und nach einem kurzen Gespräch stand fest, das unser komplettes Damage Deposit von 1000 Dollar weg war. Wir hatten schon damit gerechnet und waren froh, dass wir mit „nur“ diesem Betrag aus dem Schneider waren. In der Schweiz hätte uns dieser Unfall auf einer nicht befestigten Strasse viel viel vieeeeel mehr gekostet, den unsere Taiga’ Zelles war komplett beschädigt bzw. Totalschaden.

 

*** Was wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht wussten: Am 15. Juli 2019 erhalten wir von unserer Kranken- und Reiseversicherung World Nomads 900 Dollar von den 1000 Dollar Kaution zurückerstattet. Wir sind überglücklich und dankbar. ***

 

 

Von links nach rechts: Khaliuna, Guru, Banana und Baagi! Top Drive-Mongolia-Team, top Service!

 

Tag 39, 11. April 2019 – Abschiednehmen

 

Am nächsten Tag war es soweit, wir stiegen am morgen früh in den Zug nach China. Es war sehr schade, dass unser mongolisches Abenteuer so jäh auf dem Kopf enden musste. Die Erkundung auf eigene Faust und auch der Unfall haben uns die Mongolei ganz nah spüren lassen. Wir durften die bedingungslose Hilfsbereitschaft des Hummer-Fahrers erleben, die überwältigende Gastfreundschaft der Hirtenfamilie erfahren, die fünf Weidetierarten (Pferde, Schafe, Rinder, Ziegen und Kamele) beobachten und unabhängig die schöne Einsamkeit und Weite der mongolischen Steppen spüren. Wir werden die Mongolei, ihre Stille und Freiheit und natürlich auch unsere Taiga'Zelles sehr vermissen.

 

 

Ps: René vom Jurten-Camp macht einen super Job und dennoch fehlt ihm gemäss seiner eigenen Aussage eine tatkräftige und zuverlässige Unterstützung. Falls jemand für eine längere Zeit in die Mongolei will, wäre es eine gute Möglichkeit bei René anzufragen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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