Der Himmel von Changsha

March 29, 2020

Nach dem K. O.-Schlag in der Nacht litten wir am nächsten Morgen an kollektiven Halsschmerzen. Wir fühlten uns schwach und wollten mit der Stadt Fenghuang und ihren chinesischen Tricks nichts mehr zutun haben. An dieser Stelle eine Runde Mitleid bitte - Danke.

 

Wir liefen auf direktestem Weg bis zum Busbahnhof. Unterwegs kauften wir bei einer Apotheke chinesische Wurzel-Kräuter-Halsschmerz-Tabletten und assen zu Mittag. Der nächste verfügbare öffentliche Bus Richtung Huaihua kostete uns 6 CHF für 80 Kilometer und fuhr um 13 Uhr los. Wir kauften die Tickets sofort und stiegen ein.

 

 

Apropos Busse. Oder Busbahnhöfe. Die gab es in jeder chinesischen Stadt. Mal waren sie kleiner, grösser oder zahlreicher. Manchmal gab es bis zu sechs Busbahnhöfe, je nach Ziel der Busse. Eine Recherche vorab ersparte uns dann schon einige Laufkilometer. Wir nutzten dafür am liebsten die Kartenapp Maps.me, die uns auch offline in den meisten Fällen anzeigte, wie der Busbahnhof genau heisst, wo welche Busnummer abfährt oder im besten Falle sogar, welches Ziel die jeweiligen Busse hatten.

 

Fanden wir den richtigen Busbahnhof, funktionierte dieser – haltet euch fest – so wie in der Schweiz. Grundsätzlich fanden wir überall einen Ticketschalter, einen Snack-Laden oder Kiosk, öffentliche Toiletten und mehrere Essensstände. Anders als wie bei uns gibt es aber stets gratis heisses Wasser für Tee. Sodass jeder seine persönliche, stylishe Thermoskanne dabei hat. Anders ist auch die Sprache der Beschriftungen; sie sind auf Chinesisch. Logisch. Dank unseres Reiseführers, wo die Namen der Ziele auch auf Chinesisch niedergeschrieben waren, stellte dies für uns kein Problem dar. Wir rissen jeweils die Seite heraus, zeigten diese am Ticketschalter dem Personal und deuteten dabei auf die Schriftzeichen. Wir schlugen somit gleich zwei Fliegen mit einer Klappe. Erstens war sofort klar, wohin wir fahren wollten und zweitens wog unser dicker Reiseführer mit jeder Fahrt immer weniger. Wir probierten auch die Namen auszusprechen, doch man verstand uns selten. Die korrekte Aussprache unterschied sich dann doch zu sehr von unserer – aller Übung zu Trotz.

 

Die Busse waren meisten auf dem neusten Stand. Es gab bequeme Sitze und Sicherheitsgurte waren vorhanden. Grundsätzlich. Im Normalfall waren die Busse (sofern es sich nicht um Touristenbusse z. B. zur Chinesischen Mauer handelte) bis zum letzten Platz vollgestopft. Eine Polizeikontrolle erlebten wir nur einmal, wo die Beamten kontrollierten, ob die maximal erlaubte Anzahl Fahrgäste nicht überschritten wird.

 

 

Aber zurück zur Busfahrt von Fenghuang nach Huaihua. Diese war nach drei Stunden vorbei. Der Huaihua Busbahnhof war zum Glück direkt dem modernen Zugbahnhof angeschlossen. Unsere Zugtickets ab Huaihua nach Changsha waren erst für den nächsten Tag gültig und wir konnten nur hoffen, das der Umtausch an einem der Schalter problemlos klappen würde. Es standen unzählige Chinesinnen und Chinesen in mehreren langen Schlangen vor den acht Schaltern. Über den Köpfen hing eine riesige elektronische Anzeigetafel. Wir erkannten einige Schriftzeichen und konnten entziffern, dass die Verfügbarkeiten der Klassen in unterschiedlichen Zugverbindungen angezeigt wurden. Unsere Verbindung war aber nicht aufgelistet oder wir sahen sie einfach nicht. Wir öffneten unsere Übersetzungs-App und tippten schon mal ein, was wir wollten. Die Dame hinter der Glasscheibe verstand sofort, vergeudete keine Sekunde, haute wild auf ihrer Tastatur herum und keine zwei Minuten später hielten wir unsere neuen Zugtickets in der Hand. Wuha!

 

 

Überglücklich, dass wir uns nicht auch noch in dieser Stadt eine Unterkunft suchen mussten, setzten wir uns nach draussen in den herrlichen Smog und klappten unseren Laptop auf. Wir buchten zur Feier des Tages das teuerste Hotel in Changsha für zwei Nächte, dass Courtyard by Marriott für viel Geld 1160 CNY (162 CHF pro Nacht).

 

Bereits die Zugfahrt von Huaihua nach Changsha verbrachten wir im Luxus. Wir fuhren erste Klasse während eineinhalb Stunden. Im Waggon herrschte Ruhe, die Sitze waren dick gepolstert und es gab pro Person eine Flasche Wasser und Snacks. Kurz vor zehn Uhr abends erreichten wir die sieben Millionen Einwohner-Stadt Changsha.

 

 

Unterdessen hatten wir auch die Rückbestätigung der Hotelbuchung erhalten und wir liessen uns mit einem Taxi direkt zum Hotel chauffieren. Wir benötigten dringend Erholung. Wir waren unterdessen völlig geschwächt vom harten Ringkampf des Vortages und die Grippe hatte uns fest in der Hand. So bezogen wir das Zimmer im 12. Stockwerk, genossen kurz die spektakuläre Aussicht auf die glitzernde Stadt und fielen danach erschöpft in die weichen Kissen.

 

 

Am nächsten Tag verliessen wir das Hotel nicht. Wir deckten uns im Hotelrestaurant mit Essen ein, druckten uns die Visa für Tibet beim Concierge aus, schrieben Notizen für den Blog, lasen Buch und planten unseren Aufenthalt bei den Reisterrassen in Guilin. Ausserdem liessen wir uns alle bereits gebuchten Unterkünfte rückbestätigen. Dies stellte sich als äusserst notwendig heraus, denn nochmals einige der Buchungen konnten aus unterschiedlichen Gründen nicht gehalten werden.

 

Wir konnten uns beide gut erholen, die Grippesymptome verschwanden zunehmend, die Wunden geleckt und wir waren gestärkt für die Weiterreise nach Guilin.

 

 

 

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