Longji – Dort wo einst elegante Reisterrassen waren

April 7, 2020

Ein Blick aus dem Fenster war nicht notwendig, wir hörten den Regen auf das Dach prasseln. Banana ging es auch nicht wirklich besser. Dennoch machten wir uns auf den Weg, das Dorf und die Reisterrassen zu erkunden. Wann ist man schliesslich schon mal wieder hier?

 

Folgendes Bild zeigt auf, wie sich das Gebiet der "Longji Rice Terraces" (hellblau) rund um die Dörfer Ping'An, Longji (Gu Zhuang Zhai) und Jinkeng erstreckt. Die Dörfer liegen zwischen 600 - 800 Meter über Meer. Anmerkung: Auch wenn das Bild scharf wäre, könntet ihr wohl eher nichts lesen. ;-)

 

 

Nach dem Frühstück stiegen wir also die steilen und glatten Steinstufen hoch, um die verschiedenen Aussichtspunkte zu entdecken. Die Namen der Aussichtspunkte sind dabei herrlich. Es gibt zum Beispiel den „The View Point of Nine Dragons and Five Tigers“ oder „The View Point of Seven Stars with the Moon“. Allesamt waren sie sehr gut ausgeschildert. Die teilweise hübschen und verschlungenen Wege führten uns durch das Dorf, dass uns ein wenig an die graubündnerischen Winterdestinationen erinnerten, wo auch oftmals der Tourismus im Vordergrund steht. Nur kommen hier die Touristen nicht für die weissen Pisten, sondern für die anmutigen Reisterrassen, die fleissige Bäuerinnen und Bauern jedes Jahr aufs neue bestellen. So in der Theorie.

 

 

 

Unterdessen hatte aber wohl auch hier der hinterletzte Reisbauer von Ping’An bemerkt, dass sich mit dem Tourismus schneller, leichter und somit mehr Geld verdienen lässt als mit dem mühseligen und riskanten Anbau von Reis. Die Reisterrassen waren nämlich schlecht im Schuss. Teilweise wirkten die Felder einfach nicht bestellt (Unkraut wuchs), waren nicht bewässert (wie in der Saison eigentlich normal) oder hatten nur Wasser, weil es regnete. Super im Schuss waren dafür die neuen Hotels, die an jeder Ecke aus dem Boden spriessten, und die unzähligen Restaurants und Bars, die man für die kommende Hochsaison fleissig auf Hochglanz trimmte.

 

Wie auch immer, nach dem ersten Aufstieg musste sich Banana ausruhen und machte Pause auf der Hostel-Terrasse. Guru erklomm noch einen zweiten Aussichtspunkt, der noch etwas höher lag. Auch hier wäre die Aussicht spektakulär – grundsätzlich. Für einige Fotos reichts, mit etwas Fotoshop werden sie sogar hübsch.

Es bestätigte sich der Eindruck, dass sich die Reise zu diesem Fleck der Erde für die Reisterrassen nicht mehr die Mühe wert ist. Vielleicht in den 90er Jahren, als der Fotograf Li Yashi die ersten Fotografien von den Reisfeldern machte und damit weltberühmt wurde.

 

Wir hatten das Gefühl, dass sich der Tourismus hier in die falsche Richtung entwickelt. Anstatt dass sich alles um den Reisanbau dreht (Reisanbaumuseum, Reis-Samen-Konservierung, Reisanbaumethoden, Führung über den Reisanbau, Wissensweg durch die Reisfelder, nachhaltiger Reisanbau usw.) werden Karaokebars und Nachtklubs gebaut und das Wissen rund um den Reisanbau geht verloren. Geht es so weiter, kommt früher oder später niemand mehr, weil das, wofür alle kommen nicht mehr kultiviert wird – die Reisterrassen.

 

Ist die Dame die wohl letzte Reisbäuerin von Ping'An?

 

 

Wir laufen am Nachmittag kopfschüttelnd den Weg zurück, wieder vorbei an den Souvenirshops, zum Parkplatz. Ein Bus brachte uns von dort nach Guilin, wo wir im Hotel Ibis Railway übernachteten. Unsere grossen Rucksäcke waren noch immer dort und wir wahren dankbar für den guten Service. Wir gingen früh schlafen, denn am nächsten Tag wollten wir nach Yangshuo zum Fluss Yulong.

 

 

 

 

 

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