Bei Vollmond von Jekaterinburg nach Irkutsk

April 24, 2019

Wir werden alt, denn im Zug von Jekaterinburg nach Irkutsk belegten wir zwei Liegebetten in einem Viererabteil. Richtig, wir haben upgegraded! Die ursprünglichen Tickets für die vierte Klasse tauschten wir noch in Sankt Petersburg in die nächsthöhere freie Klasse um. Erneut 60 Stunden in der vierten Klassen wollten wir uns nicht nochmals antun. Die Entscheidung haben wir aber nicht ganz so leicht gefällt, denn wir finden, dass man in den open sleeping Wagons viel mehr in Kontakt mit den Einheimischen kommt.

 

 

Auf dieser Zugstrecke reiste ein schweigsamer, junger Russe mit uns. Er schlief die Zugfahrt praktisch durch und in den wenigen wachen Momenten, schaute er sich Filme am Mobile an. Kurz nachdem wir drei uns im Abteil eingerichtet hatten, krabbelte im Gang vor unserem Abteil ein Baby entlang.

 

 

Es war Katherina, ca. 10 Monate alt, aus Deutschland, die zusammen mit ihrem vier Jahre alten Bruder Friedrich und ihren Eltern reiste. Start der Berliner Familie war Moskau und seither waren sie ununterbrochen im Zug. Die Transsib hatten sie schon ein Mal gemacht, als Friedrich noch ein Baby war. Diesmal führe sie der Weg aber über den Baikalsee (Listvyanka bis Ulan Ude mit dem Hovercraft) bis nach Valdivostok und von dort aus via Shanghai nach Saigon im Vietnam. Unseren Plan einige Tage auf der Insel Olkhon zu verbringen, quittierten der Berliner Familienvater mit einem „überflüssig, kann man weglassen“ und führte aber keine weiteren Gründe an.

 

Während der Zugfahrt passten wir immer wieder mal ein paar Stunden auf die kleine Katherina auf, ganz zur Freude der Eltern, die so etwas entspannen konnten.

 

Unser Zug hielt ab und an, zum Beispiel am Bahnhof in Omsk:

 

 

Noch bis spät in die Nacht schwadroniert Guru mit dem Deutschen über die kulturellen Unterschiede zwischen Deutschen und Schweizer. Als wir den Fluss "Ob" kurz vor Novosibirsk überquerten, strahlte bereits der Fast-Vollmond am Himmel.

 

 

Mit jedem gereisten Kilometer veränderte sich die Landschaft. Irgendwann gab es keine Nadelwälder mehr, der Zug flitzte durch die glitzernde West-Sibirische Steppenlandschaft. Am nächsten Morgen wurde es ab Krasnojarsk wieder hügeliger, in den Hängen waren kleine Holzhäuser mit Beeten angelegt und irgendwann gab es wieder Nadelbäume und eine dünne Schicht Schnee lag auf der dunklen Erde.

 

 

 

Wir wussten, wir würden um 06:20 Uhr in Irkutsk ankommen und Guru stellte den Wecker um 05:55 Uhr. Er dachte, dies würde reichen um zu packen und sich bereit zu machen. Doch er rechnete nicht mit der russischen Provodniza. Voller Tatendrang stürmte sie um 05:05 Uhr in unser Abteil und machte das Licht an. Übrigens reisten wir unterdessen zu viert in unserem Abteil, in der Nacht war noch ein junger Russe eingestiegen. Sie weckte uns alle, alls sie lauthals auf russisch schrie, dass wir aussteigen müssen. Gekonnt liess sie ausser acht, dass nur wir zwei aussteigen mussten. Guru war angesäuert und sehr schlecht gelaunt, weil die Provodniza uns 50 Minuten zu früh geweckt hatte. Pünktlich um 06:20 verliessen wir endlich den Zug. Nach 60 Stunden waren wir heilfroh, nicht rukelnden russischen Boden unter unseren Füssen zu spüren.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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